SELEKTION

Sobald die Rekrutierung abgeschlossen ist und man seine zukünftige Funktion in der RS weiss, kann man sich bei der Luftwaffe als Militärpilot bewerben. Dabei ist das Sphair Zertifikat sowie eine abgeschlossene Matura oder Berufsmatura notwendig. Daraufhin wird man bei der Luftwaffe als Berufsmilitär-Piloten Kandidat angenommen und durchläuft ein mehrstufiges Selektionsverfahren. Zuerst wird die Berufseignungsabklärung absolviert, die aus drei Teilen besteht (PEG, FBA und PC-7 Simulatorselektion). Dabei kann die Berufseignungsabklärung (BEA) komplett vor dem Militärdienst durchlaufen werden. Alleine für die sechswöchige fliegerische Abklärung in Locarno am Ende des Selektionsverfahrens wird der Grad Leutnant erforderlich, weshalb diese erst nach erfolgter Offiziersschule absolviert werden kann.

Psychologisches Eignungsgespräch PEG

Der erste Selektionsschritt nach der Rekrutierung ist das Psychologische Eignungsgespräch im Fliegerärztlichen Institut in Dübendorf. Dabei wird man von Psychologen mit Fragen durchlöchert, ähnlich wie bei einem herkömmlichen Bewerbungsgespräch. Dabei geht es darum, den Kandidaten besser kennen zu lernen, insbesondere ob er die nötigen persönlichen Eigenschaften und vorallem die Motivation für den Beruf des Militärpiloten mit sich bringt. Am Ende des Tages wird den Kandidaten bereits mitgeteilt, ob sie zum nächsten Selektionsschritt antreten dürfen.

Flugpsychologische Berufseignungsabklärung FBA

Ähnlich wie beim PEG findet man sich bei der Flugpsychologischen Berufseignungsabklärung wieder in Dübendorf im FAI. Diesmal aber nicht mehr alleine, sondern zusammen mit 2-5 weiteren Kandidaten. Die FBA dauert 2 Tage, wobei 1 Tag der Psychologischen Abklärung und 1 Tag der Medizinischen Abklärungen gewidmet ist. Während der Psychologischen Abklärung werden die Kandidaten über ihre Kommunikations-, Kompromiss- und Teamfähigkeit in Gruppenarbeiten geprüft. Neben den Gruppenarbeiten gibt es auch Aufgaben die alleine unter Zeitdruck gelöst werden müssen. Somit wird die Stressresistenz der Kandidaten geprüft. Im medizinischen Teil wird man auf Herz und Niere geprüft um am Ende bei positivem Ergebnis das Medical Class 1 zu erhalten. Bereits am Ende der zwei intensiven Tage erhät man der Entscheid seitens der psychologischen Abklärung. Die medizinische Tauglichkeit wird erst einige Wochen später bekannt gegeben, da noch gewisse zusätzliche Abklärungen bei Spezialisten durchgeführt werden müssen.

Simulatorabklärung

Für den dritten und letzten Teil Berufseignungsabklärung finden sich 4-6 Kandidaten am Bahnhof Riazzino im Tessin ein. Das Ziel ist eine Woche PC-7 Simulator zu fliegen auf der Airbase in Locarno. Zum ersten Mal kommt Flugfeeling auf, wenn man einen der Pilotenkombis fassen darf. In zwei Trainings- und vier Prüfungsflügen wird man auf seine Koordinationsfähigkeiten und Stressresistenz geprüft. Dabei fliegt man komplexe Flugprogramme alleine mit den zur Verfügung stehenden Instrumenten ab. Die Flüge werden rasch komplizierter und schwieriger. Die verschiedenen Procedures müssen rasch gelernt und fehlerfrei umgesetzt werden. Dabei gilt bei gemachten Fehler nie aufzugeben und kontinuierlich seine Schwächen zu verbessern.

Mit einer gewissen Erleichterung aber auch Wehmut gibt man nach einer intensiven und zusammenschweissenden Woche das Kombi wieder ab. Eine letzte Führung durch die Hallen der PC-7 und PC-6 lässt das Herz noch einmal höher schlagen und einem vom Fliegen träumen. Nach rund zwei Tagen wird den Kandidaten ein Brief mit dem Entscheid zugestellt. Während der Simulatorselektion ist die Zusammenarbeit untereinander sehr wichtig. So kann jeder von den Fehlern der anderen profitieren. Im besten Fall bestehen alle zusammen diesen Selektionschritt.

Militärdienst

Der längste und sehr wichtige Abschnitt während des Selektionsprozesses ist der eigentliche Militärdienst. Jeder Kandidat muss verschiedene Grade und Funktionen vom Rekrut bis zum Zugführer durchlaufen.

Responsive image
Das neue Ausbildungsmodell zum Zugführer.

Alles beginnt mit dem Einrückungstag. Etwas nervös aber neugierig auf die kommenden Monate rücken mehrere Tausend junge Schweizer in Kasernen im ganzen Land ein. Dabei spielt es als Militärpilotenkandidaten keine Rolle ob die RS als zukünftiger Infanterist in Chur, Fliegersoldat in Payerne oder Gebirgsspezialist in Andermatt gestartet wird. Neu durchläuft jeder Rekrut eine ganze RS, lernt zuerst die militärischen Formen und später sein Spezialgebiet kennen, welcher er im WK ausüben wird. Nach 18 Wochen tritt man in die 4 Wöchige Unteroffiziersschule (UOS) über. Hier erlernt jeder das Handwerk eines Gruppenführers, anhand spannenden Theorien und vielseitigen Übungen im Gelände sowie Märschen. Gerade erst begonnen ist die UOS schon wieder fertig und man startet bereits das Gelernte in die Praxis umzusetzen. Während 7 Wochen führt und bildet man seine Gruppe von 5-10 Rekruten zum Soldaten aus. Dies ist wohl die lehrreichste Zeit, da man zum ersten Mal vor Gleichaltrigen steht und sich deren Respekt verdienen muss. Normal, dass aber auch ab und zu eine Ausbildung nicht klappt wie erwartet. Auch diese Zeit geht im Fluge vorbei und man sieht sich schon beim ersten Appell in der Offiziersschule. Wie beim ersten Tag in der RS ist man etwas nervös auf die bevorstehende Zeit. Während 15 Wochen durchläuft jeder "Aspirant" einen Härtetest. Die Märsche werden länger, die Packung schwerer und die Erfolgserlebnisse grösser. Spannende Theorien über die eigene Streitkraft sowie aus der UOS aufbauende Ausbildungen im Bereich Führung erwarten einem. Der krönende Abschluss bildet die mehrtägige Durchhalteübung im Gelände mit dem abschliessenden 100km Marsch, bei welchem wohl jeder Aspirant an die Grenze seiner Leistungsfähigkeit stösst.

Zum zweiten Mal verdient man nun seinen Grad ab, diesmal nicht mehr als Wachtmeister sondern als Leutnant. Als Zugführer plant man mit seinen Gruppenführern die ersten Wochen der neuen Rekrutenschule. Wenige Tage später erhält jeder Zugführer bis zu 60 Rekruten und ist selbst verantwortlich für deren Ausbildung. Die kommenden 18 Wochen sind wohl die herausforderndste Zeit. Neu ist es als Piloten-Kandidat auch möglich nach nur 6 Wochen Abverdienen bereits die PC-7 Selektion in Angriff nehmen.

PC-7 Selektion

Responsive image
Die 14 Anwärter der PK17

Am 6. August ging es los. Die Pilotenanwärter, neun Deutsch- und fünf Westschweizer, rückten nach Locarno ein. Drei der Anwärter kamen direkt aus dem praktischen Dienst, welchen sie nach sechs Wochen für die Selektion unterbrochen haben. Bereits am Bahnhof in Bellinzona wurden erste Kontakte geknüpft. Die erste Woche begann mit einem Rundgang, der Fassung der Ausrüstung und einigen administrativen Informationen. Bereits am Dienstag durften wir uns das erste Mal im Cockpit des PC-7 festgurten und die endlos scheinende Checkliste durchgehen und einüben. Denn bereits am Freitag wurde unser Wissen dazu geprüft. Es folgten diverse Theorieblöcke, in welchen wir das Flugzeug, den Funk, die Geografie des Tessins sowie diverse Flugverfahren und -figuren erlernten. Als Abschluss der letzten Woche durften wir das erste Mal das Triebwerk starten und uns, anfangs etwas unbeholfen, mit der Steuerung am Boden vertraut machen.

Die zweite Woche startete leider mit schlechtem Wetter, sodass am Montag ein Teil der Flüge abgesagt werden musste. Die Zeit konnten wir aber problemlos überbrücken, indem wir weitere Flüge vorbereiteten und uns persönlich dem Kommandanten vorstellten. Den Rest der Woche verbrachten wir hauptsächlich mit Flugvorbereitung, Fliegen und Sport. Der erste Flug diente der Angewöhnung der Pilotenanwärter und ihrer Mägen an das neue Umfeld. Die Fluglehrer zeigten neue Figuren stets anhand einer kurzen Demonstration. Die aus dem SPHAIR-Kurs bekannte steile Lernkurve zog sich aber auch durch die Flüge in der PC-7-Selektion und so mussten wir bereits ab Flug 2 selbst starten und landen. Für jeden Flug in der Ausbildungsphase gab es stets ein Briefing sowie ein Debriefing. Am Mittwoch genossen wir einen interessanten Theorieblock der skyguide in Locarno. Die dritte Woche konzentrierten sich die Übungsflüge auf die Akrobatik und einen kleinen Teil Navigation. Zu Beginn der vierten Woche stand ein letzter Ausbildungsflug an, den wir nach unseren Bedürfnissen gestalten durften. Darauf folgte der Übergang in den Prüfungsflugbetrieb. Zusammen mit den Checkfluglehrern wurden die Prüfungsflüge durchgesprochen und letzte Fragen geklärt. Die Fluglehrer der vergangenen Wochen wurden nach einem gemeinsamen Foto verabschiedet.

Die Prüfungsflüge verliefen anders als gewohnt. Kein Briefing, keine Kommentare der Fluglehrer und keine Debriefings mehr, die Aufschluss über Fehler und die Bewertung des Fluges gegeben hätten. So verging auch die fünfte Woche im Flug und wir mussten bereits am Mittwoch die lieb gewonnenen Pilotenkombis sowie den Rest der Ausrüstung wieder abgeben. Wir verdrängten den Gedanken, dass dies möglicherweise der letzte Flug auf einer PC-7 war, bei einem gemeinsamen Nachtessen in Locarno.

This is not an official website of the Swiss Air Force, for the official website go to www.luftwaffe.ch
Created by Lt Krainer